In Reaktion auf mein vorangegangenes Blogposting “My way to the web” bekam ich heute folgende Fragen von meinem Freund Michael.
Er ist 35 Jahre alt, Altphilologe, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Leipzig und wie er selbst sagt “nur sporadischer Web-Nutzer”.
Hier sind seine Fragen an mich:
1) Worin siehst Du die Vorteile von Web 2.0 für Deine Arbeit?
Annette: Es gibt viele Vorteile! Als Zusammenfassung könnte man sagen: im Web 2.0 kann jeder mit jedem ganz einfach und direkt Kontakt aufnehmen (sofern man online ist) und so Informationen noch schneller austauschen.
Das heißt, man kann
- Kunden finden
- die Bekanntheit (eines Kunden/Produkts/die eigene) effektiv steigern
- mit Menschen netzwerken und zusammenarbeiten, die räumlich von einem getrennt sind
- schnell Rat bekommen/geben
- viel lernen
Vorausgesetzt man nutzt die verfügbaren Medien auf die richtige Weise. Da kann man auch viel falsch machen. Darüber wird Klaus Eck im Oktober übrigens ein Buch veröffentlichen.
2) Ich habe einen Allerweltsnamen. Was würdest Du mir raten, um in den Suchmaschinen weiter oben platziert zu werden?
Annette: Ja, ich war erstaunt, dass ich selbst beim Googlen von <”Dr. Michael Schramm” + Altphilologe> KEINE Ergebnisse bekam! “Michael Schramm + Leipzig” führte aber gleich zu einem Toplisting. Nur “Dr. Michael Schramm” führt zu vielen verschiedenen Namensvettern, nicht zu reden von der Suche ohne den Doktortitel.
Was würde ich Dir raten? Natürlich kann ich Dir hier keine Beratung in zwei Sätzen geben. Aber ich könnte mir z.B. vorstellen, dass es gerade in Deinem Fachgebiet effektiv sein könnte, mit sich als Blogger einen Namen zu machen. Dazu müssten wir natürlich erst einmal überprüfen, wie entwickelt die Blogsphäre und der Gebrauch von social media im Bereich Altphilologie überhaupt ist und dann sehen, wie Du Dich am besten positionierst und vernetzt.
Es kommt darauf an, Deinen Namen mit den richtigen Schlüsselwörtern in Verbindung zu bringen, so dass Suchmaschinen Dich richtig einordnen können. Und je mehr Zugriffe auf Online-Inhalte von Dir erfolgen, umso weiter steigst Du in den Rankings.
3) Im Netz gibt es viele Infos, aber auch viel “Rauschen”, also Texte, die keine Information enthalten. Viele veröffentlichen im Netz (z. B. in Blogs), und man fragt sich, wer das alles lesen soll. Siehst Du eine Möglichkeit, leichter durch das “Dickicht” durchzusteigen und zu den Themen und Seiten zu kommen, die für einen wirklich wichtig sind?
Annette: Auch diese Frage lässt sich schwer kurz beantworten. Suchen will gelernt sein. Wie man am besten gefunden wird auch. Deshalb ist Suchmaschinenoptimierung inzwischen so ein großes Thema.
Leider gibt es viele miserable Webseiten da draußen, die aussehen, als wären sie eher zum Privatvergnügen des Webmasters erstellt, anstatt sich an den Nutzer zu richten. Und mit den Blogs ist es nicht anders.
Auch wenn die Anwendungen für das Internet immer leichter benutzbar werden, so gibt es doch grundlegende Dinge, die man wissen sollte, und Regeln, an die man sich halten sollte. Deshalb wird auch immer wieder diskutiert, ob man nicht so etwas wie einen Internetführerschein anbieten sollte.
Gerade in der Frage “wo finde ich was” sind daher auch social media von großem Nutzen. Dort ergibt sich eine eigene Art von Mund-zu-Mund-Propaganda (oder Computer-zu-Computer). Leider gilt das aber derzeit noch nicht für alle Lebensbereiche, aber ich bin sicher, dass das noch kommt.
4) Du sagst, viele in Deutschland halten Internet-Freundschaften für oberflächlich. Worin liegen für Dich die Unterschiede zwischen Freundschaften im Netz und im realen Leben, wenn es denn welche gibt?
Annette: Jemand, der sich mit dem Internet nicht so auskennt, würde jetzt erwarten, dass ich so etwas antworte wie: “virtuelle Freundschaften sind keine echten”. Aber das kommt ganz darauf an, wie ich Freundschaft definiere.
Die Antwort hängt davon ab, wie und wofür man das Internet nutzt (s. Antwort auf die folgende Frage).
Ich habe einige Menschen im Internet kennengelernt, dabei Übereinstimmungen entdeckt und dann diese Bekanntschaften durch Treffen im realen Leben zur Freundschaft weiterentwickelt. Inzwischen habe ich mehr Freunde, die ich auf diese Weise kennengelernt habe, als andere. Und da wir meist räumlich weit voneinander entfernt sind, dient das Web u.a. auch dazu, diese Freundschaften zu pflegen.
Das Kennelernen im Internet funktioniert ja auch nicht anders als im realen Leben: man lernt sich kennen, weil man sich für die gleichen Dinge interessiert.
Jemand, der gern Tennis spielt, lernt andere Tennis-Menschen kennen. Weil er sich in Kreisen bewegt, die mit Tennis zu tun haben. Ob man sich in den Bereichen, für die man sich interessiert, nun physisch oder virtuell bewegt, ist doch egal. Man trifft auf Menschen, die dasselbe Interesse haben, hat von Anfang an ein Gesprächsthema, auf dem man aufbauen kann, und findet so eher Leute, mit denen man sich versteht.
5) Jemand, der seine ersten Erfahrungen im Twittern gemacht hat, sagte: Die “drei Säulen” des Social Web seien “Selbstdarstellung, Voyeurismus, Unterhaltung”. Was würdest Du ihm antworten?
Annette: Das klingt alles so oberflächlich und negativ. Vielleicht trifft das auf diejenigen zu, die social media unbedacht und nur zum Spaß verwenden.
Es kommt wie schon gesagt immer darauf an, wie man das Web nutzt. Viele Menschen sind sich nicht darüber im Klaren, dass es kontraproduktiv ist, online so zu tun, als ob man ein anderer wäre. Man sollte sich online ehrlich, respektvoll und authentisch verhalten, egal ob privat oder beruflich. (Zumal alle Deine Aktivitäten im Web auf Dich zurückgeführt werden können.)
Wenn man das Medum Internet bewusst und ernsthaft nutzt, würde ich die o.g. Begriffe übersetzen in: Präsentation, Interesse und Aufbereitung.
Präsentation: Es ist nicht egal, wie ich mich im Web darstelle. Alles, was ich online tue, trägt zu dem für alle sichtbaren Bild bei, das sich Menschen von mir machen können. Das kann und sollte ich aktiv mitbestimmen (personal branding).
Interesse: Wenn ich mich online mit einer Sache oder einer Person beschäftige, dann interessiere ich mich auch dafür. Das bedeutet auch, dass ich von neuen Entwicklungen möglichst zeitnah erfahren und gern einen Blick hinter die Kulissen werfen oder Menschen näher kennelernen möchte.
Aufbereitung: Der Begriff Unterhaltung hat in Deutschland einen negativen Beigeschmack bekommen. Gemeint ist aber nicht Trash, sondern interessante Aufbereitung. Wer sagt, dass wertvolle Informationen immer nur knochentrocken daherkommen müssen? Ist es nicht besser, sie so aufzubereiten, dass man sich gern damit beschäftigt?
Foto: Annette Schwindt
(I’m going to translate I have translated this blog to English and posted it on my agency blog asap!)